Rosen - uralt und immer wieder neu
Ein altes Sprichwort sagt „Keine Rose ohne Dornen“ (obwohl es eigentlich Stacheln sind), und es gibt nahezu keinen Garten ohne Rosen; dies ist bei der Artenvielfalt auch nicht verwunderlich, denn mittlerweile ist die Anzahl der Rosenarten auf über 30.000 angewachsen. Botanisch gehört die Rose zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und hier zur Gattung Rosa mit verschiedensten Untergattungen, Arten und Unterarten. Rosen sind sommergrüne, in seltenen Fällen auch immergrüne Sträucher. Typische Merkmale sind Stacheln, wechselständige Blätter aus 5-9 Fiederblättchen und eine Blüte mit 5 Kelchblättern; die Frucht ist die meist rote Hagebutte, die in ihrem Inneren die Einzelfrüchte, sog. Nüsschen, enthält. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Rosen ist die nördliche Hemisphäre, einige Arten reichen bis zur arktischen Waldgrenze und dem Polarkreis; die südlichsten Vorkommen sind in Mexiko und Abessinien. Das ursprüngliche Abstammungsgebiet der Rosen sind die Gebirge in Mittel- und Südwestasien; die Pflanzen bevorzugen offene, lichte Standorte mit kalkhaltigen Böden, in Mitteleuropa sind sie häufig in Hecken und Waldsäumen anzutreffen. Rosen werden hauptsächlich als Gartenpflanzen oder Schnittblumen verwendet; Rosenöl kommt in der Parfümindustrie zur Anwendung, das bei dieser Produktion anfallende Rosenwasser wird bei der Herstellung von Marzipan und Lebkuchen benötigt. Die Hagebutten werden in der Heilkunde bereits seit langer Zeit v.a. als Tee und Gelee gegen verschiedene Krankheiten eingesetzt.
Rosen sind uralte Kulturpflanzen, die schon vor Jahrtausenden in Persien, China und Ägypten beschrieben wurden und eine große Bedeutung hatten. Über Kleinasien und Griechenland kam die Rosenkultur zu den Römern, die bereits Rosen in Glashäusern zur Parfümherstellung und als Heilpflanzen kultivierten. Im Mittelalter wurden Rosen hauptsächlich in Klostergärten für Heilzwecke gezogen, v.a. Rosa gallica (Apothekerrose) und Rosa canina (Hunds-Rose). Im 16. Jahrhundert brachten Kreuzritter die Damaszener-Rose nach Westeuropa, aus Kleinasien wurde Rosa lutea (= Rosa foetida) eingeführt; sie brachte die gelbe Farbe mit, denn bisher gab es nur weiße, rosa und rote Rosen. Im 18. und 19. Jahrhundert gelangten Chinarosen, Tee-, Portland- und Bourbonrosen nach Europa, damit begann v.a. in Frankreich der Aufschwung in der Rosenzüchtung; im Jahr 1867 wurde die Teehybride „La France“ eingeführt, die für die systematische Einteilung der Rosen eine sehr wichtige Rolle spielt. Durch weitere Kreuzungen entstanden Polyantha-, Floribunda- und Grandiflora-Rosen, als neueste Klasse kamen Ende des 20. Jahrhunderts die Bodendeckerrosen hinzu.
Aufgrund der intensiven Züchtung und Kreuzungen sind die einzelnen Gruppen derart verwoben, dass selbst für Rosenexperten eine exakte Zuordnung nur sehr schwer möglich ist; zudem gibt es unterschiedliche Klassifizierungssysteme (USA, Weltverband, England). Eine grundlegende zeitliche Einteilung unterscheidet zwischen Wildrosen, Alten Rosen und Modernen Rosen. Wildrosen sind naturnahe Arten ohne menschliche Beeinflussung, dazu zählen u.a. Rosa alba (Weiße Rose), Rosa canina (Hunds-Rose), Rosa gallica (Essigrose) und Rosa rubiginosa (Wein-Rose). Die Alten Rosen gehören einer Rosenklasse an, die bereits vor 1867 existierte; dies sind z.B. Damaszener-Rosen, Zentifolien, Noisette-, Portland- und Remontant-Rosen. Moderne Rosen sind Teehybriden (Edelrosen), Polyantha, Floribunda und Bodendecker (Flächenrosen). Eine andere Einteilung der Rosen basiert auf der Wuchsform bzw. Verwendung; hier unterscheidet man zwischen Wildrosen, Beetrosen (Rabattenrosen), Strauchrosen, Kletterrosen (Rambler, Climber), Stammrosen und Bodendeckerrosen. Weitere mögliche Klassifizierungen beziehen sich auf den Züchter, die Herkunft oder den Standort (Balkon-Rose, Zimmer-Rose, Kübel-Rose).
Die ursprüngliche Farbe der Wildrosen war weiß oder rosa, was auch zu der Gattungsbezeichnung führte; rote Rosen sollen den Sagen und Überlieferungen nach erst später durch Färbung mit Blut entstanden sein, hier gibt es verschiedene Versionen mit Aphrodite, einer Nachtigall, Maria und Mohammed. Seit dem Altertum gelten Rosen als Symbol der Liebe, je dunkler das Rot, desto größer die Liebe. Die weiße Rose war stets das Zeichen der Verschwiegenheit, sie findet v.a. in Kränzen und Trauergebinden Verwendung. Schwarze und blaue Rosen gibt es nicht (höchstens nachträglich eingefärbt), es ist jedoch der Traum aller Züchter, dies auch noch zu schaffen.

